Schüler aus Steyr erforschen Hartheim

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Info vom 20. Februar

32 Burschen gestalten einen Gedenktag im Parlament.

Es ist extrem belastend. Man kann das alles nicht begreifen“, sind sich Josef Sulzer, Lukas Postlmayr und David Leitner einig. Die drei HTL-Schüler aus Steyr besuchten mit ihrer Klasse vergangenen Dienstag die Lern- und Gedenkstätte Schloss Hartheim in Alkoven. „Es geht einem schon sehr nahe“, beschreibt der 16-jährige Sulzer seinen Eindruck vom Schloss, in dem zwischen 1940 und 1944 mehr als 30.000 Behinderte, Beeinträchtigte und kranke Menschen ermordet wurden.

Die 32 Schüler der dritten Klasse für Mechatronik setzen sich bereits seit Beginn des Schuljahrs mit dem Thema Euthanasie in der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Sie arbeiten nämlich an einem Jugendprojekt mit, das anlässlich des Gedenktages gegen Gewalt und Rassismus im österreichischen Parlament in Wien initiiert wurde. „Wir wollen, dass sich junge Menschen mit der Thematik beschäftigen und sich Gedanken machen. Bereits zum dritten Mal gibt es im Vorfeld zum Gedenktag am 5. Mai dieses Jugendprojekt. Thema ist dieses Mal NS-Euthanasie“, sagt Susanne Roth von der Abteilung Kommunikation des Parlaments.

Massenmord
„Wir haben uns schon im Religionsunterricht auf Hartheim vorbereitet“, erzählt Sulzer. „Aber wenn man dann direkt vor Ort ist und durch die Gaskammer geht ... Man kann es einfach nicht nachvollziehen.“ 30.000 Menschen wurden ermordet, „das ist fast so, wie wenn man die ganze Stadt Steyr ausrottet“, versucht David Leitner das Unfassbare zu begreifen. Die Schüler haben sich gemeinsam mit ihrem Religionsprofessor Karl Ramsmaier bereits viele Gedanken zu dem Projekt gemacht. Jeder hat eine Aufgabe bekommen, die recherchiert und bearbeitet wird. „Wir wollen eine Landkarte der Euthanasie-Opfer in den Bezirken Steyr und Amstetten machen. Also speziell jene Orte, wo unsere Schüler herkommen“, sagt Ramsmaier. „Außerdem haben wir die Idee, acht Menschen vorzustellen, die damals Zivilcourage gezeigt haben und Widerstand leisteten.“

Die Schüler wollen zwischen den Säulen im Parlament Seile spannen und die Personen mit Foto und einer kurzen Geschichte vorstellen. „Wir wollen auch eine Zeitung machen, wo alle unsere Projekte enthalten sind. Die Zeitung wird auch im Parlament aufgelegt“, erzählen die Burschen.

Nie mehr
Das Projekt NS-Euthanasie ist den Schülern ein großes Anliegen. „Wir können unser Wissen weitervermitteln und dazu beitragen, dass so etwas nie mehr passieren kann“, sagt der 17-jährige Leitner. Die Jugendlichen präsentieren ihr Projekt am 3. Mai 2012 im Parlament in Wien. Einen Tag später, am 4. Mai, wird die ganze Klasse am Gedenktag teilnehmen. „Das Engagement und die Motivation der Schüler ist erstaunlich. Vor allem, da der 4. Mai normalerweise schulfrei ist“, zeigt sich ihr Religionsprofessor erfreut.

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