Kreuzweg der Märtyrer

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Info vom 4. März 2012

 Innsbruck: Theologische Fakultät gedenkt "ihrer Märtyrer"

Mit einem "Kreuzweg der Märtyrer" gedenkt die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck in der Fastenzeit "ihrer Märtyrer" - d.h. all jener Absolventen, die etwa unter Naziherrschaft oder Kommunismus für ihre Überzeugung in den Tod gingen. Und davon gibt es viele, wie der Dekan der Fakultät, Jozef Niewiadomski, im Gespräch mit "Kathpress" betonte. Allein acht von ihnen wurden bislang von der katholischen Kirche seliggesprochen - etwa der spätere Münsteraner Bischof Kardinal Clemens August von Galen.

Die Innsbrucker Fakultät gedenkt dieser Märtyrer jeden Mittwoch in der Fastenzeit mit einem eigenen Kreuzweg um 11.50 Uhr in der Jesuitenkirche. Im Rahmen dieses "liturgischen Zeichens" werden die Märtyrer von Professoren der Fakultät vorgestellt - "denn Professoren sollen ja auch Zeugen für die Wahrheit sein", so Niewiadomski. Ein anschließender Gottesdienst soll schließlich - ausgehend von den Märtyrern - daran erinnern, dass auch heute noch Millionen Christen unter Verfolgung leiden und "täglich ihren Kreuzweg gehen".

Die Märtyrer - seliggesprochen oder nicht - stellen laut Niewiadomski heute einen wichtigen Gegenakzent zu jeder Form "religiös motiviertem Fanatismus" dar. Im Martyrium verdichte sich schließlich "der Zusammenhang von Wahrheit und Gewaltverzicht auf eine existenziell nicht mehr zu überbietende Art und Weise". Unter den "Innsbrucker Märtyrern" waren laut Niewiadomski "Wissenschaftler, Seelsorger, ein Bischof, Mönch und Archimandrit" - und damit ein bunter Querschnitt all jener Männer und Frauen, die aktiv "ihren Widerstand gegen das Böse mit der Hingabe an Gott verbunden" haben.

Neben der schillernden Persönlichkeit des als "Löwe von Münster" bekanntgewordenen Nazi-Widerständlers Kardinal von Galen verwies Niewiadomski u.a. auf eine Gruppe von ukrainischen Priestern, die an der Universität Innsbruck studiert und schließlich vom stalinistischen Regime verfolgt wurden. Seit über 100 Jahren gebe es bereits eine enge Bindung von griechisch-katholischen Priesteramtskandidaten an die Innsbrucker theologische Fakultät. Unter den prominentesten Vertretern dieser Gruppe ist etwa Archimandrit Klementij Scheptyzkyj, der vor seinem Studium in Innsbruck sogar als Parlamentarier in Wien tätig war.

Auch unter den ungarischen Absolventen fänden sich laut Niewiadomski mehrere Märtyrer - etwa Wilmos Apor, der als Bischof von Györ vehement gegen die Judenverfolgung der Nazis protestierte. Er starb indes durch die Hand russischer Soldaten im Jahr 1945, als diese am Karfreitag in die bischöfliche Residenz eindrangen und den Bischof anschossen. Er erlag schließlich am Ostersonntag 1945 seinen Verletzungen.

Unter den Seligen verwies Niewiadomski außerdem auf den polnischen Priester Kazimierz Gostynski, der als Professor und Jugendseelsorger in Lublin tätig war. Im KZ Dachau wurde er schließlich am 6. Mai 1942 ermordet - und am 13. Juni 1999 gemeinsam mit 108 polnischen Priestern von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Eine besondere Gruppe der "Innsbrucker Märtyrer" stelle laut Niewiadomski die Gruppe der lateinamerikanischen Blutzeugen dar. Darunter etwa die beiden am 16. November 1989 mit vier Mitbrüdern, einer Köchin und deren Tochter ermordeten Jesuiten Ignacio Ellacuría und Segundo Montes. Das Massaker an der Zentralamerikanischen Universität (UCA) in der salvadorianischen Hauptstadt San Salvador wurde von Angehörigen einer Armeeeinheit begangen. Beide Jesuiten hatten in Innsbruck studiert und waren von Bischof Paulus Rusch dort zu Priestern geweiht worden.

Die Termine der nächsten "Kreuzwege der Märtyrer": 7. März zum Thema "Märtyrer der Fakultät", 14. März über die "Märtyrer der letzten Tage", 21. März in Gedenken an den ermordeten Erzbischof Oscar Romero, und schließlich am 28. März zum Thema "Märtyrer unserer Ortskirche".

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