Ansprache von Weihbischof Geerlings

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Info vom 21. Juli 2011

zum Gedenken an die Predigt Kardinal von Galens

Bistum. Am Mittwoch (20.07.2011) erinnerte Weihbischof Dieter Geerlings in der münsterschen Überwasserkirche an die Predigt, die Kardinal Clemens August Graf von Galen 70 Jahre zuvor dort gehalten hatte. kirchensite.de dokumentiert die schriftliche Fassung der Ansprache des Weihbischofs.

Sehr geehrte Versammlung, verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer, es ist nicht so einfach – für mich ist es nicht so einfach. Nämlich: Die Predigt, die unser seliger Bischof Clemens August heute vor genau 70 Jahren – nicht die anderen bekannten Predigten – nur diese Predigt – die er hier in der Überwasserkirche gehalten hat, diese ins Heute zu übersetzen, also zu "verheutigen". So ist es mir aufgetragen worden.
Wie soll ich das glaubwürdig tun als Nachkriegsgeborener, der die schreckliche Nazi- und Kriegszeit nur aus der Geschichte, aus Erzählungen usw. kennt?!
Und außerdem: Ich kann mich wohl kaum in diesen Mut hineinstellen, der diesen Mann auszeichnet, mit dem Hitler und Goebbels auf Heller und Pfennig nach dem Krieg abrechnen wollten, der in ihren Augen Staatsfeind Nr. 1 war, der sich in seiner Predigt vehement gegen die totalitäre Herrschaft der Nazis, sich gegen den fundamentalen Rechtsbruch der Gestapo wandte, gegen eklatante Menschenrechtsverletzungen.
Zunächst möchte ich dies deutlich machen: Wir leben hier nicht in einem totalitären Unrechtsstaat und im Krieg. Wir leben in Freiheit, im sozialen Rechtsstaat, in einer Demokratie – mögen auch hier und da immer wieder Mängel auftreten. Aber unsere Verfassung kennt in der Präambel den Gottesbezug; ihr erster Artikel beschreibt die Menschenwürde als unhintergehbares Prinzip unseres Zusammenlebens. Dies sind nur einige Dinge, die hier zu nennen sind. Aber dies unterscheidet uns fundamental von der Situation, in die Clemens August hier in der Überwasserkirche gleichsam hineinpredigt. Er musste um Leib und Leben fürchten.

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