Geerlings: Galens Worte haben Potenzial für heute

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Info vom 21. Juli 2011

Erinnerung an die Predigt des Bischofs vor 70 Jahren

Bistum. Die berühmten Widerstands-Predigten des seligen Bischofs von Münster, Kardinal Clemens August von Galen, "strahlen in unsere Zeit aus", hat Bischof em. Reinhard Lettmann geschrieben. Damit sie das tun können, braucht man allerdings gute Übersetzer. Der Pfarrgemeinderat der Liebfrauengemeinde Münster hatte am Mittwoch (20.07.2011) Weihbischof Dieter Geerlings als Dolmetscher eingeladen. Er erinnerte an die auf den Tag genau vor 70 Jahren dort gehaltene Predigt Galens.
Zu Beginn versetzten Mitglieder des Pfarrgemeinderats die Zuhörer in jene dunkle Zeit, die mancher Besucher wohl selbst erlebt hatte. In einer zitatenreichen Zeitreise von 1933 bis zum 20. Juli 1941 entstand beinahe greifbar das Klima, das dem Christentum den Atem abzuschnüren drohte. "Jetzt kann ich nicht mehr schweigen" – dieser Satz des Bischofs war dann Auftakt zu den drei bekannten Predigten, von denen die zweite, ausgelöst durch die Vertreibung von Ordensleuten aus den Klöstern im Bistum, in der Überwasserkirche (Liebfrauen) gehalten wurde.

Grenzen des Vergleichs

"Er predigte in einer Situation, die nicht unsere heutige ist – das war etwas Einmaliges damals", zog Weihbischof Geerlings gleich zu Beginn klare Grenzen des Vergleichs. In Krieg und Konflikten, unter Lebens-Bedrohung gar sei der Glaube bei uns heute nicht herausgefordert. Daher stelle sich die Frage, wer heute die Adressaten seien: "Galens Worte haben Potenzial, das inspirieren kann", lud Geerlings ein, sich neu auf die Worte des Seligen einzulassen.
Wie damals, so werde Religion auch heute mehr und mehr zur Privatsache: "Buß- und Bettag vergessen, Pfingsten, Himmelfahrt oder Fronleichnam kennen die Menschen fast nur noch als Brückentage für ein langes Wochenende mitsamt dem Sonntag, den die Spaßbremse Kirche als Einkaufstag verhindert." Rhetorisch fragte der Weihbischof, ob denn nur noch zähle, was sich in Heller und Pfennig auszahle.
Das Innerste des Christentums sei gerade sein Öffentlichstes: "Religion darf nicht instrumentalisiert und auf Moral, Friede und Nächstenliebe verkürzt werden. Wir müssen die Frage nach dem Sinn, nach der Wahrheit und vor allem nach dem Gottesbezug wach halten." Das gelte auch für ein gemeinsames Europa, dass man nicht bauen könne, wenn es für diese Fragen keinen Raum gebe.

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