Bischof Galen predigt gegen NS-Herrschaft

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Info vom 13. Juli 2011

Heute vor 70 Jahren begann von Galen gegen die nationalsozialistische Herrschaft zu predigen.

Die Lambertikirche in Münster ist durch ein schauerliches Relikt bekannt: Am Turm hängen die Käfige, in denen nach der Niederschlagung der Wiedertäuferherrschaft im Jahre 1536 die Leichname der Anführer ausgestellt wurden. Doch die Kirche ist auch mit einem anderen Ereignis verbunden: Hier hielt Bischof Clemens August Graf von Galen am 13. Juli 1941 die erste seiner flammenden Predigten gegen nationalsozialistisches Unrecht. Bereits damals wurde der nicht unumstrittene Mann im Volk als der "Löwe von Münster" bezeichnet.

Geboren wurde er im Jahre 1878 auf Burg Dinklage. Die Familie stellte im Laufe ihrer Geschichte etliche Kirchenmänner und Politiker. Clemens August wählte den geistlichen Weg. Seit 1906 wirkte er als Gemeindepfarrer in Berlin. Dem Ersten Weltkrieg stand der kaisertreue Mann unkritisch gegenüber. Mit der Weimarer Republik konnte er sich nicht anfreunden. Ein demokratisches Verständnis ging dem konservativen Adligen ab. Pfarrei und Bistum lenkte er mit der Haltung eines strengen, aber fürsorglichen Patriarchen.

1929 kehrte Galen nach Münster zurück und wurde Pfarrer an der Lambertikirche. Vier Jahre später wurde er in einer schwierigen Zeit zum Bischof ernannt. Wenige Wochen zuvor hatten der Heilige Stuhl und das Deutsche Reich ein Konkordat geschlossen, das der Kirche in Deutschland zwar eine freie Religionsausübung zusicherte, ihr andererseits aber jede Art politischer Einmischung verbot. Mit Galen glaubten die neuen Machthaber leichtes Spiel zu haben. Doch so modernitätskritisch Galen auch war, so unnachgiebig zeigte er sich in der Verteidigung christlicher Werte. Bereits in seinem Hirtenbrief zu Ostern 1934 verurteilte er das "Neuheidentum". Unter seiner Leitung verfassten namhafte Theologen die "Studien zum Mythus des 20. Jahrhunderts", eine Auseinandersetzung mit Alfred Rosenbergs nationalsozialistischer Programmschrift. Galen geriet ins Visier der Gestapo. Er rechnete mit seiner Verhaftung, ließ sich aber nicht einschüchtern.

Am 13. Juli 1941 predigte Bischof Galen von der Kanzel gegen den Unrechtsstaat. Es kam zu spontanem Beifall. NS-Spitzel notierten mit, was Galen vorbrachte:

"Darum rufe ich laut, als deutscher Mann, als ehrenhafter Staatsbürger, als Vertreter der christlichen Religion, als katholischer Bischof: ‚Wir fordern Gerechtigkeit!’ Bleibt dieser Ruf ungehört, wird die Gerechtigkeit nicht wiederhergestellt, so wird unser deutsches Volk und Vaterland an innerer Fäulnis und Verrottung zugrunde gehen!"

Der Predigttext wurde unter der Hand verbreitet. Die BBC London sendete wenig später den Wortlaut.

Hitler tobte. Goebbels riet davon ab, den Bischof zu arretieren, er fürchtete einen Aufstand. Ohnmächtig mussten die Machthaber zusehen, wie Galen eine Woche später und nochmals zwei Wochen darauf in Predigten zum Widerstand aufrief und die Euthanasiemorde an behinderten Menschen scharf verurteilte. Kurzzeitig setzte das Regime die Kampagne aus.

Galens Einfluss war jedoch nicht groß genug, um die politische Situation zu ändern. Doch war er ein Leuchtturm des christlichen Gewissens - in einer Zeit, in der auch die katholische Kirche Schuld auf sich lud.

Er starb im März 1946. Zahlreiche Menschen erwiesen ihm die letzte Ehre. Sie erinnerten sich auch daran, wie der "Löwe von Münster" ihnen wenige Jahre zuvor Mut zugesprochen hatte:

"Wir sind in diesem Augenblick nicht Hammer, sondern Amboss. Fragt den Schmiedemeister und lasst es euch von ihm sagen: Der Amboss hält länger als der Hammer."