"Pervertierung des Liebesgebots"

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Info vom 3. Juli 2011

PID: Bischof Genn kritisiert Bundesregierung scharf

Bistum.  "Entsetzt und erschüttert" hat sich Bischof Felix Genn über Äußerungen aus Regierungskreisen zur Präimplantationsdiagnostik (PID) im Vorfeld der Schluss-Abstimmung über das PID-Gesetz im Bundestag in der kommenden Woche gezeigt. Namentlich griff er Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) scharf an: Sie habe "die Stirn, die Erbguttests an Ungeborenen unter ausdrücklicher Berufung auf die Heilige Schrift und das Christentum wörtlich zu einer Frage der Nächstenliebe zu deklarieren – ich halte das für eine ungeheure Pervertierung des Liebesgebots." Das sagte Genn am Sonntag (03.07.2011) in seiner Predigt im Pontifikalamt im St.-Paulus-Dom zum Ende der "Großen Prozession" in Münster.

Auch andere Äußerungen von Politikern offenbarten "eine Logik des Todes", unterstrich Genn, der in diesem Zusammenhang an die Predigten des seligen Kardinals Clemens August Graf von Galen erinnerte, in denen er sich vor 70 Jahren gegen die Tötung behinderter Menschen durch die Nationalsozialisten aufgelehnt hatte. Auch heute gehe es bei der PID um "die Tötung menschlichen Lebens". "Darüber haben wir nicht zu entscheiden", appellierte der Bischof an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, gegen die Zulassung der PID zu stimmen.

Genn forderte zudem alle Christen auf, die Stimme gegen eine Zulassung zu erheben. "Es geht ums Ganze, es geht um das Leben." Ein Zustimmung zur PID verstoße gegen die Menschenwürde. "Wer daran glaubt, dass Gott sich im Antlitz eines jeden Menschen widerspiegelt, der unternimmt alles und unterlässt nichts, dass jeder Mensch nicht nur auf dieser Erde willkommen geheißen, sondern auch bis zuletzt mit aller ihm gebührenden Aufmerksamkeit und Ehrfurcht begleitet wird." Der Bischof wünschte den Christen den Mut, dies zu bekennen und so einen "Dammbruch" zu vermeiden, bei dem die Unantastbarkeit des Lebens verloren gehen würde.

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