Treu an der Seite des "Löwen von Münster"

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Info vom 1. Mai 2011

Zum 50. Todestag von Heinrich Portmann
Viele Jahre begleitete der promovierte Kirchenrechtler Heinrich Portmann (1905-1961) den münsterschen Bischof Clemens August Graf von Galen als Bischöflicher Sekretär. Die Historikerin Ingrid Lueb zeichnet seine Lebensstationen nach.
 

Als der junge Kaplan der Gemeinde Herz Jesu in Emsdetten Ende Oktober 1933, zwei Jahre nach seiner Priesterweihe, zu Generalvikar Meis gerufen wurde, sah er unterwegs die Vorbereitung der Bischofsweihe. Er konnte nicht ahnen, dass Clemens August Graf von Galen einmal sein ganzes Leben verändern würde. Vorerst schien bereits die Entsendung zum Kirchenrechtsstudium nach Rom ein Indiz für die hohen Erwartungen zu sein, die die Bistumsleitung an den begabten Sohn eines Maurers aus Bockum-Hövel knüpfte. Heinrich Portmann wird dennoch immer den engen Kontakt zu seiner Familie suchen und darüber seine Bodenhaftung behalten.
Zur Freude des Historikers lässt er Eltern und Geschwister mit Hilfe langer Briefe an seiner neuen Lebenswelt teilhaben. Zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1936 lernte der begeisterte »Römer« den Bischof von Münster erstmals näher kennen, da er als verantwortlicher Kaplan der deutschen Gemeinde Santa Maria delI' Anima für die Betreuung des angereisten Heimatbischofs zuständig war.
Nach dessen Rückkehr schrieb er: »Nun sind die schönen Tage des bischöflichen Aufenthalts vorbei! Es waren prächtige Tage; ich habe ihm jeden Morgen die Messe gedient bei uns in der Anima-Kirche; wir sind manchmal zusammen ausgegangen. Gestern besuchte mich der Bischof auf meinem Zimmer für etwa 20 Minuten; er schenkte mir seine letzte große Predigt, die er in Buer gehalten hat, - mit eigenhändiger Widmung.« Als der Bischof von Münster bereits sechs Monate später wieder anreiste - mit ihm auch der Bischof von Berlin, Konrad Graf Preysing, und die drei Kardinäle Bertram, Schulte und Faulhaber, da konnte sich nicht nur Heinrich Portmann keinen Reim darauf machen. Offensichtlich war der Alltag im nationalsozialistischen Deutschland in weite Ferne gerückt: »In der Anima war natürlich alles begeistert - und auch am Rätselraten: Warum kommen die jetzt alle nach Rom? - Ihr müsst Euch darüber auch Eure Gedanken machen«, schrieb Portmann am 18. Januar 1937. Heute wissen wir, dass Kardinalstaatssekretär Pacelli und die deutschen Würdenträger damals die Enzyklika »Mit brennender Sorge« vorbereitet haben. Der junge Bischof von Münster hatte sich durch seine klare Auseinandersetzung mit dem Neuheidentum des nationalsozialistischen Chefideologen Alfred Rosenberg im Vatikan bekannt gemacht und als Befürworter einer offensiveren Vorgehensweise empfohlen.
Am 22. Januar 1937 schickte Heinrich Portmann seinen Eltern »eine sehr vertrauliche Mitteilung«: Die Bistumsleitung plane nicht länger, ihn zur Verwaltungsakademie Breslau zu schicken, sondern vielmehr »hat man auch in Münster gemeint, dass es besser wäre für mich, wenn ich zunächst an der Seite des Bischofs die Diözese kennen lernte. Dieser Tage hat mir der Bischof es endgültig gesagt, er hätte eigens noch mit dem Generalvikar darüber gesprochen, der sehr dafür gewesen wäre. Und unser Bischof fügte hinzu, ich solle es sehr gut bei ihm haben; davon bin ich überzeugt. Jedenfalls kann man nirgends soviel lernen wie auf solch einem Posten.« Portmann begann am 17. November 1938 seinen Dienst als Bischöflicher Sekretär. Manches Ereignis, manche Einschätzung vermerkte er - glücklicherweise - in Tagebuchkladden, deren Edition derzeit in Arbeit ist und im Dialogverlag Münster erfolgen wird.
Bereits am 24. Februar 1939 notierte er: »Wir kamen auf den Ernst der Zeit zu sprechen, da meinte er, ich müsste, wenn er einmal ausgewiesen werden sollte, soweit es irgendwie ginge, mit ihm gehen und bei ihm bleiben.« Der Sekretär wird treu an der Seite des Bischofs aushalten und für ihn so unersetzlich sein, dass von Galen wiederholt den Wunsch geäußert hat, er möge bis zuletzt bei ihm bleiben.
Offensichtlich schätzte der Bischof aber auch die Fröhlichkeit seines Sekretärs. Weihnachten 1941 schenkte er ihm ein Witze-Buch; Portmann schickte es später an seinen Bruder weiter, der als Soldat an der russischen
Front stand.
In den Jahren nach dem Tod Kardinal von Galens 1946 verfasste Portmann in enger Absprache mit Franz Graf Galen, dem Bruder des Kardinals, drei Bücher, die unser Bild vom Bischof von Münster wesentlich geprägt haben. Bis zum Herbst 1949 wird er auch dem Nachfolger des Kardinals, Michael Keller, als Bischöflicher Sekretär dienen. Danach wechselte er als Vizeoffizial ins Ehegericht. Am 30. April 1961 verstarb Heinrich Portmann im Alter von 56 Jahren.

Text: Ingrid Lueb

© Kirche und Leben, Ausgabe 17 - Alle Rechte vorbehalten 2011