Kapelle wird Kardinal von Galen gewidmet

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Info vom 24. April 2011

Moderne Kapelle für die Forensik

Münster-Amelsbüren - Die Klinik muss eine eigene Kapelle haben. Von dieser Vorstellung sind die Alexianer in der Bauphase der Forensikklinik zu keinem Zeitpunkt abgerückt. Die kreisrund angelegte Kapelle steht im Zentrum des kleinen Dorfes, den das Gebäudeensemble bildet. Die Alexianer haben beim Bau ihre eigene Handschrift deutlich werden lassen.

Ein Altar aus persischem Marmor, Reliquien von keinem Geringeren als Clemens August Kardinal von Galen und hochwertige Glasmalerei in den schmalen Fenstern - die Kapelle ist zweifelsohne ein ganz besonderer Ort geworden. In einer ansonsten befremdlich wirkenden Umgebung gleicht sie einem Ort aus einer anderen Welt. Fast schon ein wenig verstörend schön und warm wirkt sie, geradezu surreal in dem hermetisch gesicherten Bereich einer Maßregelvollzugsklinik, einem Ort, in den nach landläufigem Verständnis niemand freiwillig leben möchte.

Die in gelb, orange bis rot gestalteten Fenster erlebt der Betrachter als Lichtquelle „mit einer warmen, fast heiteren Ausstrahlung“, beschreibt der Künstler Dominicus Witte aus Osnabrück zutreffend sein Werk. In dem lichtreich gestalteten Raum werde der „klare österliche Aspekt“ deutlich, ergänzt Bruder Benedikt, Provinzial der Alexianer-Brudergemeinschaft, der gemeinsam mit einem ökumenischen Seelsorgeteam und dem Künstler die Gestaltung übernommen hatte.

In das freie Farbspiel der Fenster sind umlaufend, wie bei einem Fries, andersfarbige Quadrate „gesetzt“, die symbolhaft christliche Glaubensinhalte darstellen. Das zentrale Motiv, das „Antlitz Christi“, ist vom Künstler durch je ein blaues Quadrat oberhalb und unterhalb dieses Bildes ergänzt worden, so dass in der Gesamtschau mit den beiden Nachbarfenstern ein Kreuz erscheint. An der Holzdecke wird zudem ein Relief angebracht, das den auferstandenen Christus zeigt.

Auf ein Prozessionskreuz hingegen wurde bewusst verzichtet. Aus Sicherheitsaspekten, „die es stets zu berücksichtigen galt“, wie Bruder Benedikt betont. Eine kleine kreisrunde Kamera über der Eingangstür verrät, dass künftig bei laufendem Betrieb der Klinik auch dieser Raum niemals unbeobachtet ist.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Altar aus schwarzer Mooreiche mit rotem Persisch-Travertin zu. In ihm werden nach der Einweihung der Kapelle am 11. Mai durch zwei Bischöfe - durch Diözesanbischof Dr. Felix Genn sowie den langjährigen Vorsitzenden des Planungsbeirats des Forensikklinik, Weihbischof Dieter Geerlings - Reliquien von Kardinal von Galen aufbewahrt. Die Brudergemeinschaft selbst hatte eine entsprechende Anfrage an den Bischof von Münster gestellt, berichtet Bruder Benedikt. Auch hier sind die Bezüge vielfältig, sie berühren sogar das Ordensverständnis der Alexianer.

„Von Anfang an“, verweist Bruder Benedikt auf die 800-jährige Historie der Alexianer, sei der Orden „offen gewesen für Menschen, die für die Gesellschaft als Außenseiter galten“. Im Mittelalter waren es beispielsweise Pestkranke, deren Pflege sich die Alexianer widmeten. Am Standort Amelsbüren wandte man sich von Beginn an vor annähernd 125 Jahren Menschen mit geistigen Behinderungen zu.

Es war das menschenverachtende Regime der Nationalsozialisten, das Menschen mit Behinderungen im Rahmen des Euthanasieprogramms töten wollte. Der Bischof von Münster wandte sich Ende der 1930er Jahre in seinen berühmten Predigten in der Lamberti-Kirche offen und mutig gegen das Euthanasieprogramm. Allein 231 Bewohner des Alexianer-Krankenhauses wurden in staatliche Provinzialheilstätten verlegt, 106 sind ermordet worden.

In die Kontinuität, sich um Außenseiter der Gesellschaft zu kümmern, stellt Bruder Benedikt die Entscheidung des Ordens vor mehr als zehn Jahren, die Trägerschaft einer Forensikklinik zu übernehmen. Bewusst solle sich der Orden mit seinem speziellen Wissen um straffällig gewordene Menschen kümmern, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung weiterhin als gefährlich gelten. Das hat jahrelang zu erbitterten Ausein­andersetzungen geführt. Dem Geistlichen ist bewusst, dass das Thema auch heute noch mit Ängsten besetzt ist.

Wenn sich die Alexianer dieser Aufgabe stellen, dann aus ihrem eigenen Ordensverständnis heraus. Offensiv vertritt der Orden seine Überzeugung, „nicht einfach Anbieter im Gesundheitswesen“ zu sein, wie Bruder Benedikt sagt.

Die Kapelle steht dafür. Sie ist aus Sicht des Ordens zentraler Punkt in der Klinik, die sich nicht zuletzt dadurch von vergleichbaren Einrichtungen unterscheiden will.

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