Lübecker Märtyrer

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Info vom 27. Juni 2011

Widerstand im Sinne Galens
Lübeck.
Um kurz nach halb zwölf war es endlich so weit: Wie einen Pokal präsentierte der Hamburger Erzbischof Werner Thissen am Samstag (25.06.2011) auf der Altarbühne das Dokument, mit dem die als Lübecker Märtyrer bekannten NS-Widerstandskämpfer jetzt seliggesprochen sind. Kurz zuvor hatte der Vatikanische Präfekt für Selig- und Heiligsprechungen, Kardinal Angelo Amato, den von Papst Benedikt XVI. unterzeichneten Text verlesen.

"Nun dürfen wir unsere drei Kapläne um ihre Fürsprache bitten", rief Thissen, der 2004 den Anstoß zum Seligsprechungsverfahren gab, der Menge zu und intonierte "Selige Lübecker Märtyrer, bittet für uns" - sicher nicht, ohne die ökumenisch komplexe Geschichte der Märtyrer aus den Augen zu verlieren; denn einer der vier 1943 hingerichteten Geistlichen war evangelischer Pastor und kann daher nach dem Verständnis seiner Kirche nicht seliggesprochen werden.

Widerstand im Sinne des Kardinal von Galen
Die Kapläne Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller hatten gemeinsam mit dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink vor allem die regimekritischen Predigten des katholischen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, verbreitet - in ökumenischer Gemeinsamkeit, wodurch ihnen innerhalb des christlichen Widerstands eine Sonderrolle zukommt. Jahrelang gab es ein gemeinsames Gedenken der Kirchen für die vier. Der Sorge, dass dies durch die Seligsprechung erschwert werden könnte, wollte Thissen durch das Einbeziehen der evangelischen Kirche von Anfang an begegnen. Offenbar mit Erfolg. So gab es am Vorabend der Seligsprechung in der Lübecker Lutherkirche einen evangelischen Gedenkgottesdienst für alle vier Märtyrer. Beim Pontifikalamt bezeichnete der evangelische Bischof Gerhard Ulrich in seinem Geistlichen Wort die vier als "Jesu Brüder in der weltumspannenden Ökumene, in der einen Gemeinschaft der Heiligen".

Es wehte ein Hauch von römischem Katholizismus über die "Parade" vor der Propsteikirche Herz Jesu, als sich der lange Zug mit rund 100 Fahnen katholischer Verbände, gut 25 Messdienern, Lektoren und Zelebranten zum Altar bewegte. Vier Palmwedel symbolisierten die vier Märtyrer. Zur ersten Seligsprechung Norddeutschlands waren rund 8000 Menschen angereist, darunter auch Bischof Felix Genn aus Münster.

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Lübecker Märtyrer

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Info vom 21. Juni 2011

Seligsprechung am Sonnabend

Von Thomas Morell (epd)

Lübeck/Osnabrück (epd). Das Fallbeil war modern und der Henker Friedrich Hehr erfahren: Innerhalb von neun Minuten hat er die vier "Lübecker Märtyrer" am 10. November 1943 hingerichtet. Ihr Blut, so wird berichtet, sei im Hof der Hamburger Haftanstalt Holstenglacis ineinander gelaufen. Das Gedenken an die drei katholischen Kapläne und den evangelischen Pastor gilt seitdem als gemeinsame Aufgabe der beiden Kirchen.

Nun werden die drei katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller und der aus Ostfriesland stammende Hermann Lange in Lübeck seliggesprochen: am Sonnabend (25. Juni) in einer Heiligen Messe unter freiem Himmel. Alle drei wurden im Osnabrücker Dom zum Priester geweiht, deshalb beteiligt sich neben dem Erzbistum Hamburg auch das Bistum Osnabrück an der Zeremonie.

Ungewöhnlich ist, dass zugleich an den evangelischen Pastor Karl-Friedrich Stellbrink ehrend erinnert wird. Die evangelische Kirche praktiziert keine Seligsprechung. Auch Papst Benedikt XVI. hat den ökumenischen Geist der Seligsprechung betont und die vier "Lübecker Märtyrer" als "eindrucksvolles Zeugnis der Ökumene des Gebets und des Leidens" gewürdigt.

Johannes Prassek war der "politische Kopf" der drei Kapläne. Die Tötung von behinderten Menschen stieß ihn ebenso ab wie die Misshandlungen der Zwangsarbeiter. Heimlich steckte er ihnen Brot und Kleidung zu. Offen brachte er in Predigten und Gesprächen seine Kritik zum Ausdruck. "Wer soll denn sonst die Wahrheit sagen, wenn es nicht die Priester tun?" antwortete er warnenden Stimmen. Doch da hatte der Spitzel Hans Lüers seine Berichte schon längst an die Gestapo weitergegeben.

Der evangelische Pastor Stellbrink hatte einen ganz anderen Weg hinter sich. Der langjährige Auslandspastor in Brasilien war völkischer Rassist und seit März 1933 NSDAP-Parteimitglied. Das Alte Testament kritisierte er als "jüdisch" und sah in Jesus Christus vor allem einen nordischen Heroen. Doch sowohl mit seiner Partei als auch mit seinem NS-nahen Bischof Erwin Balzer überwarf er sich, so dass die Partei ihn 1937 ausschloss. Stellbrink und Prassek freundeten sich 1941 an, als Kontakte zwischen den Konfessionen noch verpönt waren.

Nach dem verheerenden Bombenangriff auf Lübeck im März 1942 hatte Stellbrink gepredigt, dass Gott "mit mächtiger Stimme" gesprochen habe. Eine Woche später wurde er von der Gestapo verhaftet, sieben Wochen danach folgte Prassek. Es scheint, als sei den Beteiligten der Ernst der Lage nicht bewusst gewesen. "Na, das wird ja nicht gleich Kopp ab kosten", schrieb Lange nach der Hausdurchsuchung durch die Gestapo. Im Juni wurden auch er und seine Amtsbruder Müller verhaftet.

Selbst für den Volksgerichtshof, der im Juli 1943 in Lübeck die vier Geistlichen zum Tode verurteilte, waren die Urteile ungewöhnlich hart. Müller etwa wurde nichts weiter nachgewiesen als das Abhören feindlicher Sender. Die Todesurteile sollten vor allem den NS-kritischen Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen treffen, dessen Predigten die vier Lübecker abgetippt und verteilt hatten. Galen war damals allerdings zu populär, als dass er verhaftet werden konnte.

Hitler persönlich, so der Kirchenhistoriker Peter Voswinckel, habe die Todesurteile angeordnet, aber jeden Bezug zu Galen aus den Urteilen streichen lassen. Trauerfeiern waren verboten. Die Familie Stellbrink erhielt nach der Hinrichtung sogar eine Rechnung über 1.500,70 Reichsmark für die Haftzeit. Darunter war auch die Rubrik "Vollstreckungskosten" in Höhe von 122 Reichsmark.

Bemerkenswert ist die Gelassenheit, mit der die vier Geistlichen ihren Tod erwarteten. "Was mich erwartet, ist Freude und Glück", schrieb etwa Prassek. Und bei Lange heißt es: "Heute ist die große Heimkehr ins Vaterhaus, und da sollte ich nicht froh und voller Spannung sein?" Die NS-Justiz hat die Briefe nicht weitergeleitet.
Sie erweckten den Eindruck, heißt es in einem Schreiben, die Verurteilten hätten "sich bei Begehung ihrer Straftaten für eine gute Sache eingesetzt". Erst 2004 fand der Historiker Voswinckel die Briefe im Bundesarchiv.

Beide Kirchen gingen mit ihren gehenkten Geistlichen nach dem Krieg sehr unterschiedlich um. Die katholische Gemeinde feierte bereits am 10. November 1945 das Gedenken an ihre drei Kapläne. Die evangelische Seite tat sich mit ihrem ehemaligen Nazi-Pastor schwer.
Über eine innere Wandlung Stellbrinks ist wenig bekannt. Der Lübecker Altbischof Karl Ludwig Kohlwage geht davon aus, dass er am Ende den "wahren Charakter" der NS-Ideologie erkannt hat. Erst 1993 wurde Stellbrink auf Initiative Kohlwages rehabilitiert.

© epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Christen gegen Hitler

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garcia1-197x300Info vom 14. Juni 2011

Passend zum Weltjugendtag in Madrid wird das Buch "Christen gegen Hitler" in spanischer Sprache veröffentlicht.
Dr. phil. José M. García Pelegrin stellt in seinem Buch «Cristianos contra Hitler» Clemens August von Galen, Wilm Hosenfeld, Franz Jägerstätter, Helmuth James von Moltke, Irena Sendler und auch Karl Leisner als Menschen des Widerstandes im Nationalsozialismus vor.

Kurzfilm über Sophie Scholl

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Info vom 4. Juni 2011

Jugendliche beschäftigen sich im Geschichtsunterricht mit Sophie Scholl – daraus ist ein Kurzfilm entstanden.

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Ausstellung "Weiße Rose":

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Info vom 3. Juni 2011

Funke der Widerstandbewegung glüht bis heute

Haar - Noch zehn Tage haben Besucher Zeit, die Ausstellung „Die Weiße Rose“ im Haarer Rathaus zu besuchen. Zwar hatte die Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung, Hildegard Kronawitter, schon Anfang der Woche zur Finissage geladen - die Stelltafeln, auf denen die Geschichte der Widerstandsgruppe erzählt wird, bleiben aber noch bis zum 10. Juni im Rathaus stehen.

Kronawitter strich bei ihrer Ansprache, die sie kurz nach dem Grußwort von Bürgermeister Helmut Dworzak hielt, das besondere Ambiente der Ausstellung heraus: „Hier ist es so würdevoll, ästhetisch sehr zurückgenommen und unglaublich passend dekoriert“, stellte sie fest.

„Unerwartet viele Besucher“ haben die Ausstellung laut Dworzak bereits gesehen und die 47 Stelltafeln gelesen. „Die Geschichte hat sie wohl berührt“, sagte Kronawitter. „Dafür haben sie sich die Zeit genommen, in die Vergangenheit abzutauchen.“

Sie selbst blieb bei ihrer Ansprache aber nicht in der Vergangenheit haften, sondern spann einen Bogen von der Studentengruppe der „Weißen Rose“ zum Hier und Jetzt: Die Geschwister Scholl und ihre Freunde hätten gehofft, mit ihren Flugblättern Menschen zum Nachdenken zu bringen, Menschen zu Massenprotesten zu bewegen. Doch dieser Funke sei in der Kürze der Zeit nicht übergesprungen. Bei den Aufständischen in Ägypten und Tunesien aber habe das funktioniert, sagte Kronawitter.

Trotzdem könne und dürfe man die „Weiße Rose“-Gruppe nicht vergessen: „Sie sind Vorbilder in ihrem Mut und ihrem Verantwortungsbewusstsein. Wir können heute noch von ihnen lernen was es bedeutet, Freiheit und Grundrechte zu haben.“

Zur Verdeutlichung lasen anschließend Michael Stacheder, Leiter des Jungen Schauspiel Ensemble München, und Schauspielerin Theresa Hanich aus dem Briefwechsel von Sophie Scholl und Fritz Hartnagel vor. Sehr differenziert und mit einer für eine junge Frau ungewöhnlichen Sprache setzte sich Sophie Scholl mit dem brisanten Thema auseinander. Ihr Freund, als Berufssoldat in Russland stationiert, wusste nichts von ihrem Widerstand.

(ama)
© merkur-online.de

Schau über den ökumenischen Widerstand gegen das NS-Regime

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Info vom 24. Mai 2011

Vom 1. bis 13. Juni wird im Dresdner Schloss an den ökumenischen Widerstand der Christen in der NS-Zeit erinnert.

Es werden auch Gedenklesungen während des Evangelischen Kirchentages vom 1. bis 5. Juni stattfinden, die inhaltlich an Mitglieder des überkonfessionellen Widerstandskreises «Weiße Rose» und des «Kreisauer Kreises» erinnern, die als Vorbilder für Zivilcourage, Mitmenschlichkeit und Gottvertrauen stehen. Sie folgten ihrem Gewissen und leisteten Widerstand, der sie über Konfessionsgrenzen hinweg miteinander verband.

Schule wird nach Benninghaus benannt

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Info vom 12. Mai 2011

Ankum. Die Haupt- und Realschule Ankum soll nach dem aus Ankum stammenden Jesuiten August Benninghaus benannt werden. Der Schulausschuss der Samtgemeinde Bersenbrück stimmte am Dienstagabend einem Vorschlag der Ankumer Schule zu, den nun der Samtgemeinderat noch bestätigen muss.
Dem Vorsitzenden Sebastian Hüdepohl zufolge fand die Begründung des Ankumer Schulvorstandes für die Namensgebung breite Zustimmung. Der Schulvorstand hate argumentiert, dass Benninghaus als Persönlichkeit nicht nur einen regionalen Bezug zu Ankum habe, sondern auch direkt zur Schule: 1880 in Druchhorn geboren, absolvierte er die Höhere Bürgerschule in Ankum, die Vorläuferin der Haupt- und Realschule war. Nach seinem Hungertod im Konzentrationslager Dachau 1942 wurde seine Urne in Ankum beigesetzt.
Wesentlicher als seine Herkunft dürfte für die Namensgebung aber die kritische Distanz des Geistlichen zum Nationalsozialismus sein: „Die Biografie von August Benninghaus verdeutlicht uns, dass er sich verantwortlich gezeigt hat, in der Zeit des Nationalsozialismus gegen die Unmenschlichkeit des Hitlerregimes zu protestieren“, heißt es in der Begründung des Schulvorstandes. „Er schwieg nicht, wenn es darum ging, die Wahrheit über das Regime zu sagen, und nahm Verhaftung, Misshandlungen, Demütigungen und letztendlich den Tod in Kauf.“
Benninghaus trat in ein niederländisches Jesuitenkolleg ein und wurde 1913 in Köln zum Priester geweiht. Als Militärpfarrer nahm er am Ersten Weltrkrieg teil. In der Zwischenkriegszeit arbeitete er als Geistlicher unter anderem im Bistum Münster. Den späteren Bischof Clemens August Graf von Galen lernte er als Stadtpfarrer in Münster kennen.
Zweimal stellten ihn die Nationalsozialisten wegen angeblicher abfälliger Bemerkungen über das Regime vor Gericht. Im KZ Sachsenhausen wurde er misshandelt, von den Verletzungen erholte er sich auch nach seiner Verlegung nach Dachau nicht mehr. Die katholische Kirche hat ihn in ihr Martyriologium aufgenommen.
 
 
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«Weisse Rose»-Mitglied Furtwängler gestorben

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Info vom 12. Mai 2011

Maienfeld. – Der in Maienfeld wohnhafte frühere Arzt und Übersetzer Hubert Furtwängler-Knittel ist am 3. Mai gestorben. Das bestätigt seine Familie. Während des zweiten Weltkriegs hatte Furtwängler-Knittel der «Weissen Rose» angehört.

Hubert Furtwängler-Knittel war der Neffe des berühmten deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler und der Schwiegersohn des Romanciers John Knittel («Via Mala»). In den Jahren 1942 und 1943 hatte er zur Widerstandsbewegung «Weisse Rose» um die Geschwister Sophie und Hans Scholl gezählt. Furtwängler-Knittel wurde 93 Jahre alt.

Die letzten 20 Jahre seines Lebens verbrachte Furtwängler-Knittel gemeinsam mit seiner Ehefrau Margaret Furtwängler-Knittel in Maienfeld. Das Paar war in das Haus gezogen, das Schriftsteller John Knittel im Jahr 1937 erworben und in dem er bis zu seinem Tod 1970 gelebt hatte. (so)

 
 
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Kardinal von Galen noch heute ein starkes Vorbild für Jugendliche

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Info vom 11. Mai 2011

Münster/Ennigerloh. Mitglieder der Jungen Union (JU) Ennigerloh haben am Wochenende den St. Paulusdom in Münster besucht. Im Rahmen ihrer interreligiösen Tournee mit Stationen in den größten Weltreligionen stand nun die katholische Kirche auf dem Programm. Im Vorfeld  haben die Jugendlichen bereits eine Moschee, einen Hindutempel und eine syrisch-orthodoxe Gemeinde besucht.

Unter der Führung der Theologiestudenten Michael Sendker und Tobias Baumann kamen die JU’ler in den Genuss einer umfassenden Domführung. Der schon im Jahre 1225 erbaute Dom ist der bereits dritte Dom zu Münster und gilt als ein Wahrzeichen der Stadt.

Spätestens am Grab von Kardinal von Galen, einem starken Kritiker des Naziregimes, bekam die vorrangig religiöse Domführung auch eine politische Dimension. Die Jugendlichen diskutierten über die Leistung des „Löwen von Münster“ und die Rolle der katholischen Kirche im Widerstand. „Von Galen ist auch heute noch Vorbild für die Jugend, weil er sich nicht hat  beeindrucken lassen von den Nazis und stark blieb“, so Tobias Baumann. „Jemand wie Graf von Galen macht Mut, sich und seinem Glauben selbst treu zu bleiben“, findet auch Jennifer Freese aus Ennigerloh. Dass hierhin eine wichtige Voraussetzung für eine gesunde Gesellschaftsstruktur sitze, darin waren sie die JU´ler einig.

Neben geschichtlichen Einblicken in den St. Paulusdom und in die katholische Kirche, warf man auch einen Blick in die Gegenwart: Die Seligsprechung von Johannes Paul II. vom 1. Mai war ein Thema, besonders da der polnische Papst  selbst 1987 in Münster gewesen war und nur in den höchsten Tönen von der Domstadt sprach. Als echte Münsterländer konnten sich dem die JU´ler gerne anschließen.

© Detlef Obens, xtranews

Schüler feiern Sophie Scholls Geburtstag

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Info vom 10. Mai 2011

Duisburg (RP) Am 22. Februar 1943 wurden Sophie Scholl und ihr Bruder Hans noch am selben Tag der Urteilsverkündung durch das Fallbeil hingerichtet. Das Sophie-Scholl-Berufskolleg in Marxloh, mit 2400 Schülern eine der ganz großen Bildungseinrichtungen der Stadt, trägt den Namen der Widerstandskämpferin. Gestern feierte die Schule den 90. Geburtstag Sophie Scholls, deren Mut ein "Spiegel" für die Nachgeborenen sein soll, wie gestern auf den Plakaten in der Schule an der Dahlmannstraße zu lesen war.

Eine solche Feier ist eine Gratwanderung. Einerseits sollte es kein reiner Gedenktag, wie an Sophie Scholls Hinrichtungstag sein, andererseits kann man den Geburtstag der Namensgeberin angesichts der Nazigräuel, deren Opfer sie wurde, nicht harmlos feiern. Deshalb wurde der gestrige Vormittag als Kontrastprogramm gestaltet.

Zunächst gab es, nach der Begrüßung von Schulleiterin Gabriele Frekers ein hervorragend gestaltetes Musikprogramm, an dem rund 30 Schülerinnen und Schüler beteiligt waren. Einstudiert wurde es von Angelika Ruckdeschel,und Heinz-Peter Helmer vom Institut für Pianistik, die auch am Sophie-Scholl-Berufskolleg unterrichten. Als Gast sang Melanie Müller, am Piano begleitet von Thomas Bremser, u.a. Eric Claptons "Tears in Heaven" – sicher und gefühlvoll. Die Schüler, die erfahrungsgemäß ein besonders kritisches Auditorium sind, applaudierten kräftig.

Zwei Erzieherklassen hatten unter Leitung des "Hausregisseurs" Kemal Demir das Theaterstück "Du bist mein Spiegel" in wochenlangen Proben einstudiert. Der erfahrene Regisseur verzichtete auf viele Worte, um den Widerstand der "Weißen Rose" gegen das nationalsozialistische Terrorregime darzustellen. Statt dessen dominierten Schattentheater und eine beklemmende Tanztheater-ähnliche Darbietung, bei der die Schülerinnen und Schüler in verschiedenfarbige Stoffschläuche schlüpften, um die Nazis, die Kommunisten und die Mitglieder der Weißen Rose darzustellen. Auf diesen Schläuchen wurden auch Fotografien von Sophie und Hans Scholl projiziert. Die Musik-Collagen wechselten zwischen leicht (Comedian Harmonists) und aggressiv-rockig (Rammstein) zu überwältigend (Orffs "Dies Irae" aus den Carmina burana). Für viele Schüler bestürzend waren die Dokumentarfilme von ausgehungerten KZ-Häftlingen und von den toten Opfern der Nazi-Vernichtungslager. Die Lehrerin Rita Glaser, die bei der gestrigen Veranstaltung die Fäden in der Hand hatte, brachte das Kunststück fertig, die Stimmung in der Schulaula wieder in Richtung Geburtstags-Feier zu lenken. Die zahlreichen Akteure vor und hinter den Kulissen bekamen als Anerkennung eine weiße Rose geschenkt.

Bewegend.  
 
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NS-Widerstand: Seligsprechung Bischof Johannes Sprolls geplant

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Info vom 7. Mai 2011

bischof_sprollStuttgart, 07.05.2011 (KAP) Mit einem Gottesdienst und anschließendem Festakt eröffnet die deutschen Diözese Rottenburg-Stuttgart am Montag offiziell das Seligsprechungsverfahren für ihren früheren Bischof Johannes Baptista Sproll (1870-1949). Sproll hatte im April 1938 die im gesamten "Großdeutschen Reich" durchgeführte "Anschluss"-Volksabstimmung boykottiert. Unmittelbar danach wurde der Amtssitz des Bischofs verwüstet und Sproll aus der Diözese verbannt. Erst nach Ende der Nazizeit kehrte er nach Rottenburg zurück, wo er 1949 starb. Sproll war nach Ansicht von Historikern jener deutsche Bischof, der am meisten unter dem Regime Hitlers litt.

Grund für den Aufsehen erregenden Boykott dürfte weniger Sprolls Einstellung zum "Anschluss" Österreichs gewesen sein, als die mit der Volksabstimmung verbundende Reichstagswahl, die der Bischof ablehnte. Diese These, wonach der Boykott Sprolls im Blick auf die dritten "Wahlen" nach der NS-Machtergreifung 1933 erfolgte, geht aus historischen Dokumenten hervor. Auf dem Volksabstimmungszettel für 10. April 1938 hatte sich eine einzige Kandidatenliste - die "Liste unseres Führers Adolf Hitler" - befunden. 99 Prozent der Stimmen entfielen schließlich auf die NSDAP-Liste, und gleichzeitig war damit das Ja zur Annexion Österreichs verbunden.


Protest gegen NS-Euthanasieprogramm

In Rottenburg ist Weihbischof Johannes Kreidler für den Fortgang des Seligsprechungsverfahrens verantwortlich. Nach dem Gottesdienst am Montag will Bischof Gebhard Fürst die Mitglieder des für das Verfahren vorgeschriebenen kirchlichen Gerichts vorstellen, die anschließend vom Justitiar der Diözese vereidigt werden. Für die wissenschaftliche Überprüfung der Untersuchungen werden Historiker in eine Expertenkommission berufen.

Sproll war von 1927 bis 1949 der siebte Bischof von Rottenburg. Zahlreiche seiner Predigten und Denkschriften richteten sich gegen die Ideologie der Nazis. Aus seinem von den Nazis erzwungenen bayerischen Exil veranlasste er, dass am 1. August 1940 von Erzbischof Conrad Gröber aus Freiburg und dem Generalvikar der Diözese Rottenburg gegen das Euthanasieprogramm in Grafeneck in Berlin protestiert wurde - ein Jahr vor dem Protest des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen. Sproll hielt sich bis Kriegsende in anderen deutschen Diözesen auf.

Der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf untersuchte nach der Öffnung der Archivbestände über das Pontifikat von Papst Pius XI. im Vatikan die Akte über Sproll, wie sie der damalige Nuntius in Deutschland, Eugenio Pacelli, angelegt hatte. Der spätere Papst Pius XII. hatte sich u.a. auch eine Abschrift der Unterlagen eines Gerichtsverfahrens nach Berlin schicken lassen, mit dem sich Sproll gegen Vorwürfe wehren musste, er habe ein Kind.

Der damalige Münsteraner Bischof Galen verglich Sproll sogar mit den frühen Märtyrer-Bischöfen. Galen gilt als der Bischof, der sich den Nazis am deutlichsten entgegengestellt hat, wiewohl er dafür vergleichsweise milde sanktioniert wurde.

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Bischof Genn ruft zu Briefen an Abgeordnete auf

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Info vom 5. Mai 2011

PID: "Wir erwarten von Euch, dass Ihr das Leben schützt"genn

Cloppenburg-Stapelfeld. Als großes Vorbild hat Bischof Felix Genn den Namenspatron der Katholischen Akademie Stapelfelds, Kardinal von Galen, bezeichnet. Seine Sendung sei von Galen wichtiger gewesen als sein Leben, sagte Genn am Mittwoch (04.05.2011) bei seinem Besuch der größten katholischen Bildungseinrichtung im Offizialatsbezirk Oldenburg. Das berichtet der Landes-Caritasverband für Oldenburg.

Im Blick auf die derzeitige Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik (PID) rief der Bischof von Münster dazu auf, den Abgeordneten die Botschaft deutlich zu machen: "Wir erwarten von Euch, dass Ihr das Leben schützt." Er empfahl, dies den Abgeordneten in Form von Briefen persönlich mitzuteilen. "Seien Sie Verfechter der Botschaft des Kardinal von Galen", appellierte er im Rahmen seiner Predigt eindringlich an die Gläubigen. Genn hatte sich bereits mehrfach gegen die Präimplantationsdiagnostik ausgesprochen.

"Wir dürfen uns nicht abschotten"

Grundsätzlich gelte, dass die Kirche eine Botschaft für die Welt habe. "Wir dürfen uns nicht abschotten und unter uns bleiben", sagte der Prediger. Die Katholische Akademie bezeichnete er in diesem Zusammenhang als ganz wichtige Einrichtung. Die Kirche brauche Orte, "die über die pfarrliche Ebene hinausgehen und noch einmal auf andere Weise in die Gesellschaft hineinstrahlen". Gemäß dem Motto der Bildungseinrichtung "Wege suchen, Antworten finden, Kirche bilden" gelte es dies "demütig" und doch "selbstbewusst" zu tun.

Christen könnten dies tun, weil sie durch Ostern von innen her erneuert seien. "Unsere innere Würde ist durch den Tod nicht kaputt zu kriegen", ermutigte Genn. "Wir haben kein Verfallsdatum, sondern Ewigkeitswert."

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(Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser)

Treu an der Seite des "Löwen von Münster"

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Info vom 1. Mai 2011

Zum 50. Todestag von Heinrich Portmann
Viele Jahre begleitete der promovierte Kirchenrechtler Heinrich Portmann (1905-1961) den münsterschen Bischof Clemens August Graf von Galen als Bischöflicher Sekretär. Die Historikerin Ingrid Lueb zeichnet seine Lebensstationen nach.
 

Als der junge Kaplan der Gemeinde Herz Jesu in Emsdetten Ende Oktober 1933, zwei Jahre nach seiner Priesterweihe, zu Generalvikar Meis gerufen wurde, sah er unterwegs die Vorbereitung der Bischofsweihe. Er konnte nicht ahnen, dass Clemens August Graf von Galen einmal sein ganzes Leben verändern würde. Vorerst schien bereits die Entsendung zum Kirchenrechtsstudium nach Rom ein Indiz für die hohen Erwartungen zu sein, die die Bistumsleitung an den begabten Sohn eines Maurers aus Bockum-Hövel knüpfte. Heinrich Portmann wird dennoch immer den engen Kontakt zu seiner Familie suchen und darüber seine Bodenhaftung behalten.
Zur Freude des Historikers lässt er Eltern und Geschwister mit Hilfe langer Briefe an seiner neuen Lebenswelt teilhaben. Zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni 1936 lernte der begeisterte »Römer« den Bischof von Münster erstmals näher kennen, da er als verantwortlicher Kaplan der deutschen Gemeinde Santa Maria delI' Anima für die Betreuung des angereisten Heimatbischofs zuständig war.
Nach dessen Rückkehr schrieb er: »Nun sind die schönen Tage des bischöflichen Aufenthalts vorbei! Es waren prächtige Tage; ich habe ihm jeden Morgen die Messe gedient bei uns in der Anima-Kirche; wir sind manchmal zusammen ausgegangen. Gestern besuchte mich der Bischof auf meinem Zimmer für etwa 20 Minuten; er schenkte mir seine letzte große Predigt, die er in Buer gehalten hat, - mit eigenhändiger Widmung.« Als der Bischof von Münster bereits sechs Monate später wieder anreiste - mit ihm auch der Bischof von Berlin, Konrad Graf Preysing, und die drei Kardinäle Bertram, Schulte und Faulhaber, da konnte sich nicht nur Heinrich Portmann keinen Reim darauf machen. Offensichtlich war der Alltag im nationalsozialistischen Deutschland in weite Ferne gerückt: »In der Anima war natürlich alles begeistert - und auch am Rätselraten: Warum kommen die jetzt alle nach Rom? - Ihr müsst Euch darüber auch Eure Gedanken machen«, schrieb Portmann am 18. Januar 1937. Heute wissen wir, dass Kardinalstaatssekretär Pacelli und die deutschen Würdenträger damals die Enzyklika »Mit brennender Sorge« vorbereitet haben. Der junge Bischof von Münster hatte sich durch seine klare Auseinandersetzung mit dem Neuheidentum des nationalsozialistischen Chefideologen Alfred Rosenberg im Vatikan bekannt gemacht und als Befürworter einer offensiveren Vorgehensweise empfohlen.
Am 22. Januar 1937 schickte Heinrich Portmann seinen Eltern »eine sehr vertrauliche Mitteilung«: Die Bistumsleitung plane nicht länger, ihn zur Verwaltungsakademie Breslau zu schicken, sondern vielmehr »hat man auch in Münster gemeint, dass es besser wäre für mich, wenn ich zunächst an der Seite des Bischofs die Diözese kennen lernte. Dieser Tage hat mir der Bischof es endgültig gesagt, er hätte eigens noch mit dem Generalvikar darüber gesprochen, der sehr dafür gewesen wäre. Und unser Bischof fügte hinzu, ich solle es sehr gut bei ihm haben; davon bin ich überzeugt. Jedenfalls kann man nirgends soviel lernen wie auf solch einem Posten.« Portmann begann am 17. November 1938 seinen Dienst als Bischöflicher Sekretär. Manches Ereignis, manche Einschätzung vermerkte er - glücklicherweise - in Tagebuchkladden, deren Edition derzeit in Arbeit ist und im Dialogverlag Münster erfolgen wird.
Bereits am 24. Februar 1939 notierte er: »Wir kamen auf den Ernst der Zeit zu sprechen, da meinte er, ich müsste, wenn er einmal ausgewiesen werden sollte, soweit es irgendwie ginge, mit ihm gehen und bei ihm bleiben.« Der Sekretär wird treu an der Seite des Bischofs aushalten und für ihn so unersetzlich sein, dass von Galen wiederholt den Wunsch geäußert hat, er möge bis zuletzt bei ihm bleiben.
Offensichtlich schätzte der Bischof aber auch die Fröhlichkeit seines Sekretärs. Weihnachten 1941 schenkte er ihm ein Witze-Buch; Portmann schickte es später an seinen Bruder weiter, der als Soldat an der russischen
Front stand.
In den Jahren nach dem Tod Kardinal von Galens 1946 verfasste Portmann in enger Absprache mit Franz Graf Galen, dem Bruder des Kardinals, drei Bücher, die unser Bild vom Bischof von Münster wesentlich geprägt haben. Bis zum Herbst 1949 wird er auch dem Nachfolger des Kardinals, Michael Keller, als Bischöflicher Sekretär dienen. Danach wechselte er als Vizeoffizial ins Ehegericht. Am 30. April 1961 verstarb Heinrich Portmann im Alter von 56 Jahren.

Text: Ingrid Lueb

© Kirche und Leben, Ausgabe 17 - Alle Rechte vorbehalten 2011

Kapelle wird Kardinal von Galen gewidmet

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Info vom 24. April 2011

Moderne Kapelle für die Forensik

Münster-Amelsbüren - Die Klinik muss eine eigene Kapelle haben. Von dieser Vorstellung sind die Alexianer in der Bauphase der Forensikklinik zu keinem Zeitpunkt abgerückt. Die kreisrund angelegte Kapelle steht im Zentrum des kleinen Dorfes, den das Gebäudeensemble bildet. Die Alexianer haben beim Bau ihre eigene Handschrift deutlich werden lassen.

Ein Altar aus persischem Marmor, Reliquien von keinem Geringeren als Clemens August Kardinal von Galen und hochwertige Glasmalerei in den schmalen Fenstern - die Kapelle ist zweifelsohne ein ganz besonderer Ort geworden. In einer ansonsten befremdlich wirkenden Umgebung gleicht sie einem Ort aus einer anderen Welt. Fast schon ein wenig verstörend schön und warm wirkt sie, geradezu surreal in dem hermetisch gesicherten Bereich einer Maßregelvollzugsklinik, einem Ort, in den nach landläufigem Verständnis niemand freiwillig leben möchte.

Die in gelb, orange bis rot gestalteten Fenster erlebt der Betrachter als Lichtquelle „mit einer warmen, fast heiteren Ausstrahlung“, beschreibt der Künstler Dominicus Witte aus Osnabrück zutreffend sein Werk. In dem lichtreich gestalteten Raum werde der „klare österliche Aspekt“ deutlich, ergänzt Bruder Benedikt, Provinzial der Alexianer-Brudergemeinschaft, der gemeinsam mit einem ökumenischen Seelsorgeteam und dem Künstler die Gestaltung übernommen hatte.

In das freie Farbspiel der Fenster sind umlaufend, wie bei einem Fries, andersfarbige Quadrate „gesetzt“, die symbolhaft christliche Glaubensinhalte darstellen. Das zentrale Motiv, das „Antlitz Christi“, ist vom Künstler durch je ein blaues Quadrat oberhalb und unterhalb dieses Bildes ergänzt worden, so dass in der Gesamtschau mit den beiden Nachbarfenstern ein Kreuz erscheint. An der Holzdecke wird zudem ein Relief angebracht, das den auferstandenen Christus zeigt.

Auf ein Prozessionskreuz hingegen wurde bewusst verzichtet. Aus Sicherheitsaspekten, „die es stets zu berücksichtigen galt“, wie Bruder Benedikt betont. Eine kleine kreisrunde Kamera über der Eingangstür verrät, dass künftig bei laufendem Betrieb der Klinik auch dieser Raum niemals unbeobachtet ist.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Altar aus schwarzer Mooreiche mit rotem Persisch-Travertin zu. In ihm werden nach der Einweihung der Kapelle am 11. Mai durch zwei Bischöfe - durch Diözesanbischof Dr. Felix Genn sowie den langjährigen Vorsitzenden des Planungsbeirats des Forensikklinik, Weihbischof Dieter Geerlings - Reliquien von Kardinal von Galen aufbewahrt. Die Brudergemeinschaft selbst hatte eine entsprechende Anfrage an den Bischof von Münster gestellt, berichtet Bruder Benedikt. Auch hier sind die Bezüge vielfältig, sie berühren sogar das Ordensverständnis der Alexianer.

„Von Anfang an“, verweist Bruder Benedikt auf die 800-jährige Historie der Alexianer, sei der Orden „offen gewesen für Menschen, die für die Gesellschaft als Außenseiter galten“. Im Mittelalter waren es beispielsweise Pestkranke, deren Pflege sich die Alexianer widmeten. Am Standort Amelsbüren wandte man sich von Beginn an vor annähernd 125 Jahren Menschen mit geistigen Behinderungen zu.

Es war das menschenverachtende Regime der Nationalsozialisten, das Menschen mit Behinderungen im Rahmen des Euthanasieprogramms töten wollte. Der Bischof von Münster wandte sich Ende der 1930er Jahre in seinen berühmten Predigten in der Lamberti-Kirche offen und mutig gegen das Euthanasieprogramm. Allein 231 Bewohner des Alexianer-Krankenhauses wurden in staatliche Provinzialheilstätten verlegt, 106 sind ermordet worden.

In die Kontinuität, sich um Außenseiter der Gesellschaft zu kümmern, stellt Bruder Benedikt die Entscheidung des Ordens vor mehr als zehn Jahren, die Trägerschaft einer Forensikklinik zu übernehmen. Bewusst solle sich der Orden mit seinem speziellen Wissen um straffällig gewordene Menschen kümmern, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankung weiterhin als gefährlich gelten. Das hat jahrelang zu erbitterten Ausein­andersetzungen geführt. Dem Geistlichen ist bewusst, dass das Thema auch heute noch mit Ängsten besetzt ist.

Wenn sich die Alexianer dieser Aufgabe stellen, dann aus ihrem eigenen Ordensverständnis heraus. Offensiv vertritt der Orden seine Überzeugung, „nicht einfach Anbieter im Gesundheitswesen“ zu sein, wie Bruder Benedikt sagt.

Die Kapelle steht dafür. Sie ist aus Sicht des Ordens zentraler Punkt in der Klinik, die sich nicht zuletzt dadurch von vergleichbaren Einrichtungen unterscheiden will.

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Es bleibt auf der Burg

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Info vom 24. April 2011

Es bleibt auf der Burg

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Dinklage - fast wäre es um das Galen-Taufkleid sogar zu einem Streit vor Gericht gekommen. Am Ende jedoch fand man einen Vergleich.
Wer dieses zierliche Taufkleid in der Benedektinerinnen-Abtei St. Scholastika auf Burg Dinklage sieht, der mag kaum glauben, dass es beinah zu einem Streitfall vor dem Landgericht Oldenburg geworden wäre. Das sollte entscheiden:
Wer ist rechtmäßiger Besitzer?
Denn: Es war nicht irgendein Taufkleid, sondern genau das, in dem unter anderen Kardinal Clemens August Graf von Galen am 19. März in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen worden war. Verwandte aus Tuscon/Arizona hatten Besitzansprüche auf das Kleid und zudem auf ein Brustkreuz des Seligen angemeldet.
Christoph Bernhard Graf von Galen, ein 2002 verstorbener Neffe des Kardinals, hatte 1949 den Benedektinerinnen die Burg und die mit dem Kardinal verbundenen Gegenstände überlassen. Die Schwestern mussten deshalb stets davon ausgehen, dass auch das Brustkreuz dazu gehört.
Genauere Nachforschungen im Zusammenhang mit dem Prozess ergaben jedoch: Christoph Bernhard von Galen hatte seinem Enkel Ferdinand Otto das Brustkreuz zur Kommunion geschenkt.
Deshalb einigte man sich im Dezember auf einen Kompromiss: Die Abtei gibt das Kreuz ab, darf aber das Taufkleid behalten – und hegt damit weiterhin fürsorglich einen besonderen Schatz. Das Kleid mit Mützchen, Taufsack und Leibchen wird in einem besonderen Raum aufbewahrt. Alles besteht aus ungefärbter Seide und ist golden bestickt.

© Kirche und Leben, Ausgabe Nr. 16 - Alle Rechte vorbehalten 2011; Foto: Martina Rönnau

Vom Nazi-Pastor zum Märtyrer

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Info vom 20. April 2011

Karl Friedrich Stellbrink

karl friedrich stellbrinkWitten. Er war ein herrischer, ja vielleicht sogar unangenehmer Mensch, der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink. Und er war Mitglied der NSDAP. Dann lichtete sich der „braune Nebel“ vor seinen Augen.

Der in Witten ausgebildete und ordinierte Geistliche, dessen Geschichte in der Stadt völlig unbekannt ist, wurde vom Hitler-Anhänger zum Märtyrer auf dem Schafott.

Karl Friedrich Stellbrink wird 1894 in Münster geboren, in Detmold wächst er auf. „Der Arminius-Kult begegnete ihm dort fast täglich“, so der Lübecker Historiker Prof. Peter Voswinckel.?„Nach schulischen Problemen kam er auf ein Berliner Internat, das als nationalistische Kaderschmiede geradezu verschrien war.“ Hier müsse man die Wurzeln des späteren rechtsextremen Gedankenguts suchen, „der Germanenkult wurde ihm regelrecht eingeimpft“.

Stellbrink geht schon vor dem Krieg an das Evangelische Diaspora-Seminar in Soest, das 1920 nach Witten verlegt wird. Aus dem Ersten Weltkrieg kommt er „kriegsversehrt“ zurück, nimmt seine Ausbildung anfangs in Soest, dann in Witten wieder auf. Hier werden junge Männer zum Pfarrdienst in deutschen evangelischen Gemeinden in Südamerika ausgebildet. Seminarleiter Johannes Hymmen, der spätere Pfarrer in Blankenstein, kümmert sich um seinen Zögling, der am 23. März 1920 in Witten seine Abschlussprüfung macht.

Am 16. März 1921, wenige Tage nach der Hochzeit mit seiner Jugendliebe Hildegard Dieckmeyer, wird Stellbrink nach Abschluss seines Vikariats durch Ferdinand Rahlwes in der Johanniskirche ordiniert. Kurz zuvor gründet Stellbrink als „Hochmeister“ mit drei Gleichgesinnten den unbedeutenden „deutsch-christlichen Heiland-Orden zu Witten an der Ruhr“.

Stellbrink aber zieht es nach Südamerika. Doch in Brasilien, wo auch die Kinder des Ehepaares zur Welt kommen, wird er nicht glücklich, und die Menschen auch nicht mit ihm. Nach acht Jahren kommt Stellbrink zurück, 1930 erhält er in Thüringen eine Anstellung.

Drei Jahre später zeigt der Pfarrer Flagge: Von Hitlers pseudo-christlichen Worthülsen geblendet, tritt er 1933 in die NSDAP ein. Stellbrink bewirbt sich auf eine Stelle in der Lübecker Landeskirche, die im Rückblick als die wohl nazihörigste Kirche dieser Zeit gilt, verbreitet völkisches und antisemitisches Gedankengut, macht sich NS-Propaganda gegen Paulus und das Alte Testament zu eigen. Die nazitreuen „Deutschchristen“ sind erfreut und sehen ihn bereits zu Höherem berufen, Mitglieder der Bekennenden Kirche dagegen nennen seine Texte „satanisch“.

Ausgerechnet hier, wo sein moralischer Tiefpunkt den Höhepunkt gefunden hat, bricht sein Engagement für die Nazis 1936 abrupt ab. Und zwar so abrupt, dass er bereits 1937 wegen seiner Kritik aus der NSDAP ausgeschlossen wird. „Braunen Nebel“ habe er vor Augen gehabt, bekennt Stellbrink, der den Nationalsozialismus nun als „schlimmste Vergiftung des deutschen Geistes und der deutschen Seele“ brandmarkt. Er beginnt, englische Sender zu hören, er liest und verbreitet die Schriften des katholischen „Löwen von Münster“, Bischof Clemens von Galen.

Die Gestapo hat ihre Ohren überall, und so etwas hört sie nicht gern. Nach einer besonders heftigen Predigt wird Stellbrink denunziert und am 28. Mai 1942 verhaftet. Der Mann, mit dem die Nazis einst hohe kirchliche Pläne hatten, wird als Hochverräter vor den „Volksgerichtshof“ gezerrt. Der macht kurzen Prozess: Mit drei katholischen Priestern, zu denen er Kontakt pflegte, wird er zum Tode verurteilt - als einziger evangelischer Geistlicher, den dieses Tribunal je hinrichten ließ, so der Historiker Hansjörg Buss.

Am 10. November 1943 werden die vier Männer in Hamburg im Drei-Minuten-Takt unter das Fallbeil geschoben, ihr Blut fließt ineinander. Auch deshalb tut sich die katholische Kirche nach dem Krieg weniger schwer, Karl Friedrich Stellbrink stets zu den „vier Lübecker Märtyrern“ zu rechnen.

Problematischer ist die Aufarbeitung in der evangelischen Kirche, die Stellbrinks Witwe zwar eine Hinterbliebenenversorgung zuspricht. Eine Würdigung des Mannes, der sich anfangs so schwer versündigt hatte, als Märtyrer lehnt sie jedoch entschieden ab. 50 Jahre sollte es dauern, bis die Kirche Stellbrink im Juni 1993 rehabilitiert und im November das Todesurteil von der 17. Strafkammer des Landgerichts Berlin aufgehoben wird.


© Der Westen. Portal der WAZ-Gruppe, Text: Bernd Kassner

800 Gläubige aus zwei Dörfern füllen den Paulusdom

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Info vom 1. April 2011

Ahauser Gemeinden pilgerten zum Grab des seligen Kardinal von Galen

Ahaus - Es macht mich stolz, dass so viele Gemeindemitglieder den Dom zu Münster füllen", sagt Dechant Gereon Beese zu Beginn der Pilgermesse einer außergewöhnlichen Gemeindewallfahrt. Mehr als 800 Mitglieder aus den ländlich geprägten Ahauser Gemeinden St. Martinus Wessum und St. Andreas Wüllen versammeln sich am Dienstag (22.03.2011) in der Kathedrale, die Kirchenchöre der Pfarreiengemeinschaft stimmen das Lied an "Dies ist der Tag des Herrn".

Das Seelsorgeteam und die Gemeindevertreter hatten zu dieser Wallfahrt eingeladen, die am 65. Todestag des seligen Kardinals Clemens August von Galen stattfand und zum Grab des Kardinals führte.

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Gedenken in Wort und Schrift

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Info vom 22. März 2011

Clemens August Graf von Galen – 65. Todestag des "Löwen von Münster"

Die Benediktinerinnen auf Burg Dinklage pflegen die Erinnerung in Wort und Schrift. Sie stehen für die Verbindung von zwei Epochen.

Dinklage - „Im Prinzip gibt es bei uns eine Von-Galen-Gedenkwoche“ – vom 16. März, dem Geburtstag des Seligen, bis zum 22. März, dem Todestag des Kardinals von Galen. Dazu gehörte auch die Lesung „Weiße Rosen für den Löwen“ am Sonntag, 20. März, gibt Schwester Ulrike Soegtrop OSB im NWZ-Gespräch einen Hinweis auf die Erinnerung an den 1878 auf Burg Dinklage geborenen Kirchenfürsten. Soegtrop und ihren Mitschwestern obliegt die Verantwortung für das Geburtshaus des Nazi-Gegners.

Liturgie und Gebet
Dieser Auftrag ist ihnen über die Jahre zur Herzensangelegenheit gewachsen. Der heutige Dienstag, 22. März, hat für die Ordensfrau und den Konvent in der Benediktinerinnenabtei St. Scholastika eine besondere Bedeutung. Zum 65. Todestag des 1946 in Münster verstorbenen Kardinals pflegen sie das Andenken an den Nazi-Gegner Clemens August Graf von Galen in ihrer Liturgie, durch eine spezielle auf von Galen und sein Lebenswerk abgestimmte Auswahl von Texten und natürlich im Gebet. So wagen sie den Brückenschlag zwischen dem Erbe der Vergangenheit und unserer heutige Zeit.

Bilder als Dokumente
Dem Gedenken an den 2005 selig Gesprochenen haben sich auch die Initiatoren der Internetseite „www.wie-ein-loewe.de“ um den Dülmener Pfarrer Markus Trautmann verschrieben. Sie wollen das Von-Galen-Bildmaterial sichern, dass im Münsterland sowie im Oldenburger Land und am Niederrhein Münsterland vorhanden ist.

© NWZ-online von Christoph Floren

Suche nach den letzten Quellen

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Info vom 21. März 2011

Vor 65 Jahren starb Clemens August Kardinal von Galen

Bistum. Nur wenige Wochen nach seiner Erhebung zum Kardinal verstarb der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, am 22. März 1946. Das Interesse der historischen Forschung an dem "Löwen von Münster" ist bis heute ungebrochen.

Über das Wirken von Bischof Clemens August Graf von Galen und seine Einstellung zur Weimarer Republik und zur Diktatur ist über Jahrzehnte intensiv diskutiert worden. Die Seligsprechung des Kardinals 2005 führte noch einmal zu Kontroversen und unterschiedlichen Bewertungen seines Handelns. "Die großen Streitfragen sind eigentlich ausdiskutiert", sagt Professor Joachim Kuropka. Der frühere Leiter des Instituts für Geschichte und historische Landesforschung an der Universität Vechta gab selbst 2007 einen Sammelband unter dem Titel "Streitfall Galen" heraus, der sich mit Galens Haltung zum Nationalsozialismus, zu Demokratie und Krieg und zu den Juden beschäftigte.

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Galen-Diebstahl: Revision vor dem Bundesgerichtshof

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Info vom 13. März 2011

Galen-Diebstahl: Revision vor dem Bundesgerichtshof
(Bericht von kirchensite.de, Text: Jens Joest)

Karlsruhe / Wuppertal / Bistum. Die Urteile gegen die mutmaßlichen Diebe von Bischofsstab und Altarkreuz des seligen münsterschen Kardinals Clemens August von Galen überprüft das höchste deutsche Strafgericht, der Bundesgerichtshof (BGH). In Karlsruhe läuft die Revision der Urteile gegen zwei Männer, die am Galen-Diebstahl beteiligt gewesen sein sollen. Das sagte der Sprecher des Landgerichts Wuppertal, Richter Thorsten Anger, zu kirchensite.de.

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Silvesterdankamt mit Bischof Genn

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"Ich fürchte eine neue Selektion."
(Bericht von kirchensite.de, Text: Michael Bönte)

Bistum. Mit Nachdruck hat Bischof Felix Genn zum Schutz des ungeborenen Lebens aufgerufen. "Jeder, der dem Gott des Lebens durch Wort und Tat widerspricht", erweise sich als Lügner, sagte er am Freitag (31.12.2010) im Silvester-Dankamt in der münsterschen Stadtkirche St. Lamberti. "Deshalb gilt es umso mehr, dass wir als Kirche die Stimme erheben für das Zeugnis des Lebens."

In seiner Predigt erinnerte Genn daran, dass Bischof Clemens August Graf von Galen vor etwa 70 Jahren an gleicher Stelle ein "großartiges Bekenntnis zum Gott und Herrn des Lebens" geäußert habe. In der Zeit des Nationalsozialismus habe er in seinen Predigten in St. Lamberti die Folgen aufgezeigt, "die aus der Entscheidung entstehen, den Wert des Lebens von irgendwelcher menschlichen Entscheidung abhängig zu machen". Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten moderner Medizin stünden die Menschen heute vor einer ähnlichen Herausforderung. "Ich fürchte, dass auf neue Weise Selektion geschieht", sagte er mit Blick auf die Diskussion um die Präimplantationsdiagnostik (PID).

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Reiseeindrücke 2011

Ein Urlaub an der Ostsee lässt einen Tagestripp in die Hansestadt Lübeck zu, um dort in der Propsteikirche Herz-Jesu eine Ausstellung zum Gedenken an Karl Friedrich Stellbrink, Johannes Pressek, Hermann Lange und Eduard Müller - kurz die Lübecker Märtyrer -  zu besuchen.

"Haben Sie von den großen Predigten des Grafen Galen, Bischof von Münster, gehört?"
fragte Pastor Stellbrink am 3.12.1941 in einem Brief seinen ehemaligen Konfirmanden Walter Ruder.

Auf Stellwänden und Flyern wird unter anderem auch an die genannten Predigten erinnert.

Mehr Informationen zu den "Lübecker Märtyrern"
icon_externer-link www.luebeckermaertyrer.de

Fotos auf dieser Seite: Privatarchiv

Spuren der Erinnerung in Lübeck Spuren der Erinnerung in Lübeck
Spuren der Erinnerung in Lübeck Spuren der Erinnerung in Lübeck Spuren der Erinnerung in Lübeck