Brief von Pfarrer Markus Trautmann, Dülmen …

… an Verleger Gerhard Schepper, Münster, vom 23. Februar 2021

Sehr geehrter Herr Schepper,

herzlich danke ich für Ihre Zeilen, mit denen Sie auf meine kritische Rezension (in einem veröffentlichten Brief an Hermann Hölscheidt) des von Ihnen verlegten Buches „Josef, du hast mehr geleistet als ich“ eingehen.

In der großen Linie Ihre Argumentation fühle ich mich natürlich voll und ganz bestätigt, möchte meine Meinung aber anhand einiger konkreter Rückmeldungen präzisieren:

1. Sie schreiben, dass meine Annahme, Galen habe wohl kaum Josef Jakob geduzt, „ein merkwürdiges Licht auf die praktisch gelebte brüderlich-christliche Nächstenliebe v. Galens werfen würde“. Abgesehen davon, dass ich keinen Zusammenhang zwischen brüderlich-christlicher Nächstenliebe und dem „duzen“ erkenne, kann ich es nun einmal nicht ändern: Galen hatte bei aller Herzlichkeit und Zugewandtheit eine durchaus aristokratische Aura und war sich auch seiner bischöflichen Autorität (übrigens sogar gegen den Nazis) sehr bewusst. Dieses Denken war aber allgemein in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts noch sehr verbreitet. Natürlich kann man sich das heute alles anders wünschen oder gar nachträglich dazuerfinden: Aber in diesem Falle kann man ja kaum in der Art eines Dramatikers das „Stück“ einfach umschreiben; Geschichtsschreibung ist kein Wunschkonzert.

2. Sie vermuten, dass ich „an der Metapher des ‚Löwen von Münster‘ festhalten (will), die den Eindruck erweckt, v. Galen habe, analog des Löwen als dem stärksten aller Tiere, den stärkst möglichen Widerstand geleistet, und diese Assoziation nicht mehr aufrecht erhalten werden könnte …“ Sehr geehrter Herr Schepper, ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie Sie darauf kommen. Ich habe den Brief an Hermann Hölscheidt wieder und wieder durchkämmt und finde nicht eine einzige Stelle, wo ich diese Metapher verwende. Richtig ist, dass ich an einer Stelle auf die Webseite www.wie-ein-loewe.de hinweise. Dieses Internetportal heißt nun mal seit mehr als zehn Jahren so, weil in dem Roman „Weiße Rosen für den Löwen“ (Münster, 3. Aufl. 2020) die fiktiven Romanhelden am Ende der Geschichte eine Webseite dieses Namens aufbauen. Natürlich weiß jeder, dass der Begriff „Löwe von Münster“ erst nach dem Krieg „gepusht“ wurde; Galen war in vielen Dingen eher scheu und unbeholfen – genau das wertet sein Handeln noch mehr auf. Und tatsächlich wurde die besagte Webseite schon vor etlichen Jahren mit der zweiten Adresse www.galen-archiv ausgestattet.

3. Sie bringen das große Wort von der „generationenübergreifende Traumaweitergabe“ in Anschlag. Was immer das ist (ich bin kein Psychologe): Nur die Wahrhaftigkeit macht frei, nicht ideologische Voreingenommenheit. Die empfinde ich sehr stark in dem Buch. Statt im Interview den alten Herrschaften Suggestivfragen zu stellen („War er denn so Papst hörig?“, S. 36), sollte man deren Auskünften nachgehen und sie für die Nachwelt präzisieren. Da lesen wir auf S. 28 lapidar: „Der Bischof von Münster hat sich, aufgrund von Briefen an ihn, auch für die Freilassung Vaters eingesetzt. Grundsätzlich aber sympathisierte er mit den Nationalsozialisten.“ Den Unsinn des zweiten Satzes habe ich bereits im Brief an Herrn Hölscheidt angesprochen. Daher nur so viel zum ersten Satz: Hätte man nicht die nachfolgende Faktenlage hier einpflegen sollen? Denn: Bischof von Galen hat sich 1935/36 persönlich und direkt gleich an zwei (!) Reichsminister (Kerrl und Frick) gewandt und sich für Josef Jakob verwendet! Hätte man doch erwähnen können, oder nicht? Sie selbst weisen doch auf „Quellenangaben“ hin; tatsächlich ist am Ende des Buches die Galen-Quellenedition von Löffler ja sogar genannt. Aber wenn sogar die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ mit keinen Wort Erwähnung findet, wundert mich gar nichts.

Wichtig ist mir und wohl auch Ihnen, sehr geehrter Herr Schepper, die Feststellung, dass Josef Jakob ein mutiger und überzeugender Mensch war, dessen Haltung und Wirken nur gewürdigt werden kann. Das habe ich hinreichend betont, dafür kämpfe ich.

Da mir stets an Transparenz und einem offenen Diskurs gelegen ist, würde ich Ihren Brief von gestern gern dem Schreiben an Hölscheidt auf der Webseite www.galen-archiv.de an die Seite stellen.

Frohe Grüße nach Münster,

   Markus Trautmann




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