Predigt im Dom zu Xanten im Februar 1936

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9. Februar 1936:

Ihr wisst es, die Zeit ist da, wo nicht wenigen von uns solches Los zuteil wird. Wie wird die hl. Kirche, der Papst, die Bischöfe, die Priester, die Ordensleute, wie werden treue Kinder der Kirche heute in Deutschland öffentlich und ungestraft verunglimpft, verlästert und verhöhnt. Wie viele Katholiken, Priester und Laien sind in Zeitungen und Versammlungen angegriffen und beschimpft, aus Beruf und Stellung vertrieben und ohne Gerichtsurteil gefangen gesetzt und misshandelt worden. (...) Es gibt in deutschen Landen frische Gräber, in denen die Asche solcher ruht, die das katholische Volk für Martyrer des Glaubens hält, weil ihr Leben ihnen das Zeugnis treuester Pflichterfüllung für Gott und Vaterland, Volk und Kirche ausstellt, und das Dunkel, das über ihren Tod gebreitet ist, ängstlich gehütet wird. Und wie lastet vielfach schwerster Gewissensdruck auf Beamten und Angestellten, auf Eltern und Lehrern, die vor die Frage gestellt werden zu wählen zwischen Treue gegen Gott und ihrem christlichen Gewissen und dem Wohlgefallen und der Gunst derer, von denen ihre Stellung und gar ihr Lebensunterhalt abhängt!


Wundert euch nicht, wenn der gütige Gott Prüfungszeiten über uns kommen lässt. Unsere heilige Kirche ist die Kirche der Märtyrer. Die Antwort auf die Frage, wie es dahin kommen kann, gibt das Wort des Heilandes, der gesprochen hat: „Wenn die Welt euch hasst, so denket daran: mich hat sie vor euch gehasst. Wäret ihr von der Welt, so würde die Welt das Ihrige lieben. Weil ihr nicht von der Welt seid, sondern ich euch auserwählt habe von der Welt, darum hasst euch die Welt.“ (...)  

Die Antwort auf diese Frage gibt uns auch der Opfertod, der Martertod, der Heldentod Jesu Christi, der dem weltlichen Richter sich gehorsam stellte und vor ihm anerkannte, dass die obrigkeitliche Gewalt von Gott stammt; und der dann für die Wahrheit, die er verkündete, für seinen Anspruch als Sohn Gottes und König der Schöpfung anerkannt zu werden, das Todesurteil, Schmach und Kerker und Geißel und Dornenkrone und endlich den Kreuzestod freiwillig angenommen hat. (...) Gleich Christus, gleich den Aposteln, gleich den heiligen Märtyrern sind wir gehorsam der Obrigkeit, treu unserem Volke, gewissenhaft im Beruf, in der Arbeit, in der Familie, in der Gemeinde, opferwillig bis zum Einsatz des Lebens, wie St. Viktor und alle heiligen Soldaten, wie unsere tapferen Soldaten, die im Weltkrieg zu Tausenden ihr Leben für unser deutsches Vaterland eingesetzt und hingegeben haben. Aber wenn wir gleich jenen Heiligen vor die Frage gestellt werden, zu wählen zwischen irdischem Glück und Bekenntnis des Glaubens, zu wählen zwischen Götzendienst und Tod, dann wollen wir wie unsere tapferen Vorbilder mit Gottes Gnade feststehen im Glauben, dann wollen wir wie jene lieber in den Tod gehen als sündigen.