Katharina hält Rückschau

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Heute ist der 19. November. Das ist der Gedenktag der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Die tief stehende Herbstsonne scheint in mein Fenster und das Glasbild der Heiligen Elisabeth leuchtet in satten, klaren Farben. Fast jeden Tag schaue ich mir dieses schöne Bild an und oft denke ich an die Person, die es mir vor Jahren geschenkt hat: Elisabeth Obermayer, die alte Dame, die ich, als ich noch Schülerin war, so oft im Altenheim besucht habe.

Elisabeth von Thüringen

Diese Begegnungen mit Frau Obermayer, das waren sehr wichtige Momente für mich. Gemeinsam haben wir das Glasbild betrachtet und im Gespräch ist mir vieles klar geworden. Merkwürdig ist, dass mir noch genau Frau Obermayers Worte einfallen. Nachdem mir meine alte Freundin das Bild sehr genau beschrieben hatte, sagte sie: „Das Beste kommt erst noch. Das was ich gerade geschildert habe, ist sozusagen nur das Vordergründige. Ja, sogar im eigentlichen Sinn des Wortes. Was wir uns gerade anschauen, erfasst nur den Vordergrund – nur das, was wir mit den Augen wahrnehmen. Aber dieses Bild und überhaupt Glasbilder können ein sehr anschauliches Zeichen sein, das auf etwas ganz anderes verweist.“

Danach erzählte Frau Obermayer mir einiges aus dem Leben ihrer Namenspatronin. Sie sprach davon, dass man am Leben der Heiligen Elisabeth ablesen kann, dass diese bedeutende Frau aus einer nicht von Menschen gemachten  Kraftquelle schöpfen konnte. Wieder fallen mir Frau Obermayers Worte ein: „So wie diese einzelnen Farbsplitter erst Leuchtkraft und Sinn bekommen dadurch, dass sie vom Licht der Sonne durchdrungen werden, so bekam diese großartige Frau ihre Ausstrahlung und Kraft von Gott. Da bin ich mir ganz sicher.“

Ich bin sehr froh und dankbar, dass Frau Obermayer mir dieses schöne Bild nach ihrem Tod überlassen hat. Und ich bin auch ein bisschen stolz darüber, dass sie kurz vor ihrem Sterben an mich gedacht hat und bemerkte, dass ich – Katharina – ihr auch so oft Licht in ihr Leben gebracht hätte. Einen Satz von Frau Obermayer habe ich in mein Herz geschrieben und nehme ihn als Ansporn für mein Leben:

„Sei auch weiterhin so ein Lichtträger!
Lass durch dein Leben Gottes Liebe hindurch scheinen!“

(Im Buch erscheint das Bild erstmals auf Seite 41: "Am Fenster hing ein Glasbild, das die heilige Elisabeth von Thüringen darstellte.")